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WMF Württembergische Metallwarenfabrik AG: Umsatzmilliarde im Visier

Selbst vorsichtig geschätzt weist die Aktie ein KGV von 9 und 5,2% Dividendenrendite auf

 

Analyst: Thorsten Renner

 

 

Für treue Leser ist die WMF AG ein guter alter Bekannter – allerdings hatten wir die Aktie vor einiger Zeit von der Empfehlungsliste genommen, angesichts der nicht mehr wirklich günstigen Bewertung. Die jüngsten Meldungen haben den Anstieg rückwirkend jedoch untermauert. Und nachdem auch der Börsenkurs zuletzt wieder nachgegeben hat, nutzen wir die Chance, Ihnen die WMF-Vorzüge heute noch einmal neu ans Herz zu legen.

 

Denn WMF konnte das vergangene Jahr mit dem besten Ergebnis der Firmengeschichte abschließen. Hierbei profitierte die Gesellschaft einmal mehr vom guten Ruf deutscher Qualität, denn kaum ein anderes Unternehmen steht so für „Made in Germany“ und gleichzeitig eine lange Tradition wie der schwäbische Konzern: Die in Geislingen ansässige Firma wurde bereits 1853 gegründet und besitzt in Deutschland einen Bekanntheitsgrad von über 90 Prozent – selbst für Top-Marken ist das ein Traumwert!

 

 

Steht für beste Qualität und hochwertiges Design

Bekannt geworden ist WMF vor allem als Hersteller hochwertiger Erzeugnisse für Tisch und Küche, wobei neben der Qualität auch großer Wert auf ein anspruchsvolles Design gelegt wird. Vertrieben werden die Produkte hauptsächlich im gehobenen Einzelhandel und über die 200 eigenen Filialen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Probleme bereitet WMF hier die schwierige Situation im Einzelhandel: Jedes Jahr gehen der Gesellschaft Einzelhändler durch Geschäftsaufgaben verloren.

 

Zu den Kunden des Unternehmens zählen neben den schon erwähnten Privatkunden auch zahlreiche Profi-Anwender. So gehören die Geislinger weltweit zu den führenden Ausstattern gehobener Restaurants, Hotels der oberen und mittleren Klasse sowie anderer Großverpfleger. Neben dem klassischen Konsumgeschäft mit den bekannten Produkten Kochgeschirr und Bestecke betreibt das Unternehmen auch das Objektgeschäft, das in den letzten Jahren vor allem vom boomenden Kaffeemaschinen-Bereich getragen wurde.

 

Bisher gliederte WMF seine Tätigkeit in die beiden Segmente Konsum- und Objektgeschäft. Zum 01.01.2011 hat sich die Gesellschaft jedoch eine neue Konzernstruktur gegeben, die künftig eine noch höhere Transparenz bringen soll. Bei der Neuorganisation wurde der Fokus auf eine markenübergreifende Zusammenarbeit innerhalb der Geschäftsbereiche gelegt. Der Konzern gliedert sich nun in die fünf Bereiche WMF Filialen, Tisch und Küche, Elektro-Kleingeräte, Hotel und Kaffeemaschinen.

 

 

Wachstum durch Leasing

Wachstumschancen eröffnen sich im Bereich Kaffeemaschinen durch das Leasing-Angebot. Hier eröffnet WMF den Gastronomen die Möglichkeit, die Investition in eine Kaffeemaschine ohne Kapitalbindung realisieren zu können. Dementsprechend kann die Gesellschaft auch Betriebe mit einem nur sehr kleinen Investitionsbudget als Kunden gewinnen.

 

Angesichts der geringen Produktionskosten spielen die Kaffeevariationen eine bedeutende Rolle im Gastronomiegewerbe. Im Rahmen der Finanzierung arbeitet WMF mit den beiden Partnern Leasconcept Essen und ALVG Stuttgart im Verbund der Südleasing zusammen. Nach dem Ende des Leasingvertrags kann der Gastronom die Kaffeemaschine zum verbliebenen Restwert erwerben.

 

 

Deutlicher Umsatzzuwachs in 2010 ...

Nachdem sich WMF selbst im Krisenjahr 2009 gut gehalten hatte, konnte die Gesellschaft im vergangenen Jahr von der zunehmenden Erholung der Weltwirtschaft profitieren, denn auch die relevanten Branchen im Konsumgeschäft und in der Hotellerie haben sich stabilisiert.

 

Insgesamt verzeichnete WMF im Jahr 2010 ein Umsatzplus von 13 Prozent auf 901,6 Mio. Euro. Allerdings waren hier auch die Umsätze der übernommenen Princess Holding enthalten. Bereinigt um Akquisitionen erzielten die Geislinger einen Zuwachs von 5 Prozent. Getragen wurde das Wachstum speziell vom Auslandsgeschäft, das um 30 Prozent auf 403,0 Mio. Euro zulegte. Doch auch in Deutschland verbesserte sich der Umsatz um immerhin 2 Prozent auf 498,6 Mio. Euro.

 

Als stärkster Treiber des Umsatzes erwies sich 2010 das Konsumgeschäft. Hier kam WMF um 14 Prozent auf 572,9 Mio. Euro voran, was hauptsächlich auf die Akquisition von Princess zurückzuführen war. Die verbesserte Konjunkturlage führte aber auch zu einer höheren Investitionsbereitschaft im Gastronomie- und Hotelbereich, was dem Objektgeschäft ein Umsatzplus von 10 Prozent auf 328,7 Mio. Euro bescherte.

 

 

... mündet in neues Rekordergebnis

Erfreulicherweise konnte WMF den Umsatzanstieg auch in einen überproportionalen Ergebniszuwachs ummünzen. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) legte um satte 40 Prozent auf 58,4 Mio. Euro zu. Allerdings trugen die beiden Geschäftsbereiche nicht gleichmäßig zu diesem Anstieg bei.

 

So erhöhte sich das Segment-EBIT im Konsumgeschäft zwar von 16,5 auf 18,3 Mio. Euro, die EBIT-Marge blieb mit 3,2 Prozent aber hinter dem Vorjahresniveau zurück. Belastend wirkte hier der Princess-Erwerb; bereinigt um diesen Negativeffekt belief sich die Marge auf 3,7 Prozent. Dafür sprang das EBIT im Objektgeschäft von 25,1 auf 40,1 Mio. Euro, womit die EBIT-Marge beachtliche 12,2 Prozent erreichte.

 

Beim Finanzergebnis fiel im abgelaufenen Jahr lediglich ein Minus von 0,6 Mio. Euro an, so dass sich ein Ergebnis vor Steuern von 57,8 Mio. Euro einstellte. Der Jahresüberschuss legte dadurch noch stärker als das EBIT um 49 Prozent auf den neuen Rekordwert von 38,7 Mio. Euro zu. Entsprechend stieg auch das Ergebnis je Aktie von 1,84 auf 2,73 Euro.

 

Vor diesem Hintergrund erhielten die Aktionäre jüngst eine von 1,20 auf 1,30 Euro erhöhte Dividende, was eine Rendite von fast 5 Prozent darstellt. Mit einem Eigenkapital von über 300 Mio. Euro und einer Eigenkapitalquote von 54 Prozent ist WMF weiterhin sehr solide aufgestellt.

 

 

Blitzstart ins Geschäftsjahr 2011

Auch bedingt durch die weiterhin positive konjunkturelle Entwicklung hat WMF im ersten Quartal 2011 einen perfekten Start hingelegt. Der Umsatz verbesserte sich um 18 Prozent auf 232,8 Mio. Euro. Während der Auslandsumsatz um 15 Prozent zulegte, konnte im Heimatmarkt ein Wachstum von 20 Prozent erwirtschaftet werden. Trotz der schon erwähnten neuen Konzernorganisationsstruktur berichtete WMF für das erste Quartal noch einmal in der gewohnten Segmentgliederung.

 

Im Segment Konsumgeschäft stieg der Umsatz um 18 Prozent auf 142,9 Mio. Euro. Allerdings war der Umsatz stark durch ein Spezialkundengeschäft bestimmt. Hier wurde in den ersten drei Monaten ein Großauftrag abschließend ausgeliefert. Ohne dieses Sondergeschäft hätte das Umsatzwachstum bei lediglich 2 Prozent gelegen. Ebenfalls 18 Prozent über dem Vorjahr lag der Umsatz im Segment Objektgeschäft. Hauptsächlich durch die konjunkturelle Erholung im internationalen Geschäft kletterte der Umsatz auf 89,9 Mio. Euro.

 

Die starke Umsatzentwicklung schlug sich auch auf der Ergebnisseite nieder. Hier konnte WMF das EBIT auf 20,5 Mio. Euro mehr als verdoppeln und erwirtschaftete damit eine Umsatzrendite von 8,8 Prozent. Zwar führte der ausgelaufene Großauftrag im Konsumgeschäft im April zu einer Abschwächung der Wachstumsraten. Nach vier Monaten lag der Umsatz mit 300,9 Mio. Euro aber trotzdem noch 14 Prozent über dem Vorjahresniveau.

 

 

Umsatzmilliarde soll bald übersprungen werden

Nach dem erfolgreichen Start ins Jahr 2011 rechnen wir auch im Rest des Jahres mit einer Fortsetzung des positiven Trends. WMF sollte hier von der anhaltend guten Konjunkturentwicklung und dem weltweiten Trend hin zu Kaffeespezialitäten profitieren. Allerdings wird sich das Wachstumstempo gegenüber dem ersten Quartal deutlich verringern, da dieses durch einen Sondereffekt positiv beeinflusst war.

 

Für das Gesamtjahr gehen wir von einem Umsatzwachstum um 5,5 Prozent auf 951 Mio. Euro aus. Damit sollte spätestens im Jahr 2012 die Umsatzmilliarde geknackt werden. Das EBIT schätzen wir im laufenden Jahr vorsichtig auf 63 Mio. Euro, was zu einem Jahresüberschuss von rund 42 Mio. Euro und einem Ergebnis je Aktie von 2,98 Euro führen würde. Entsprechend sollte auch die Dividende auf mindestens 1,40 Euro angehoben werden.

 

Damit liegt das 2011er-KGV der WMF-Vorzugsaktie bei höchstens 9 und die Dividendenrendite stellt sich auf mindestens 5,2 Prozent. Für konservative Anleger sind die aktuellen Kurse damit geradezu eine Einladung.

 

 

Kennzahlen

 

2009

2010

2011e

Umsatz

800,0 Mio. €

901,6 Mio. €

951 Mio. €*

Nettoergebnis

25,9 Mio. €

38,7 Mio. €

42 Mio. €*

Erg./Aktie

1,84 €

2,73 €

2,98 €*

KGV

14,6

9,8

9,0*

Dividende

1,20 €

1,30 €

1,40 €*

Div.rendite

4,5%

4,8%

5,2%*

*Quelle: Schätzung GSC Research

 

Nächste Hauptversammlung: 14.06.2012

 

 

WMF Württembergische Metallwarenfabrik AG Vz, ISIN DE0007803033

Hoch/Tief 52 W.

Aktienzahl

Börsenwert

29,35/20,55 €

14.000.000

396,0 Mio. €

 

 

Empfehlung: KAUFEN

Kurs 13.06.2011

Potenzial

Risiko

26,85 €

35,00 €

gering