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Schaltbau Holding AG: SDAX-Wert in spe mit KGV von 7,4

Im ersten Halbjahr hat der Bus- und Bahnzulieferer schon fast den Vorjahresgewinn erreicht

 

Analyst: Matthias Wahler

 

 

Die Schaltbau-Aktie ist für Sie längst ein alter Bekannter. Seit Jahren glänzt der Bahn- und Buszulieferer mit seinem soliden Geschäftsmodell und einer kontinuierlich positiven Geschäftsentwicklung. Selbst durch die Finanz- und Wirtschaftskrise wurde diese nicht nennenswert beeinträchtigt. Auch die aktuelle Schuldenkrise wird unserem Dauerfavoriten nichts anhaben können. Gleichwohl hat die Aktie in den letzten Wochen wieder an Boden verloren, was Sie als langfristiger Investor zum Nachkauf nutzen könnten.

 

Zu verdanken ist die solide Geschäftsentwicklung, da stimmen wir mit dem Management überein, zumindest zum Teil der breiten Diversifizierung der Gruppe über viele Produkte und Märkte. Das Geschäft ist damit ein Stück weit krisenresistent ausgerichtet. Das Unternehmen fokussiert sich mittlerweile nicht mehr nur auf Produkte und Lösungen für Bus und Bahn, sondern baut die Aktivitäten gezielt auch bei Anwendungen in der KFZ- und zunehmend auch der Investitionsgüterindustrie aus. Zudem konzentriert sich Schaltbau auf Nischenprodukte mit einer überschaubaren Zahl von Wettbewerbern.

 

 

Internationalisierung sichert Wachstum

Die Wachstumstreiber sind mit der weltweit zunehmenden Urbanisierung und den steigenden Mobilitätswünschen der Bevölkerung indes die gleichen geblieben. Gerade in dicht besiedelten Regionen wächst die Notwendigkeit, öffentliche Verkehrsmittel massiv auszubauen. Zudem legen Umweltaspekte, die begrenzte Verfügbarkeit fossiler Brennstoffe und die immer größeren Warenströme nahe, weltweit den Schienenverkehr zu stärken. In Deutschland ist dies noch nicht in alle Köpfe vorgedrungen. Zum Glück ist Schaltbau aber weltweit präsent und treibt die Internationalisierung weiter voran.

 

Insbesondere in den ersten Monaten dieses Jahres waren diverse Aktivitäten zu beobachten, mit denen die internationale Präsenz der Gruppe gestärkt wurde. So erwarben die Münchner die restlichen 50 Prozent der Anteile an der Schaltbau North America Inc. und festigten damit die Position im nordamerikanischen Komponentengeschäft. Des Weiteren gelang es, den lukrativen Joint Venture Vertrag für die Xian Schaltbau Electric Corporation Ltd. vorzeitig bis zum Jahr 2024 zu verlängern. Und mit der Anteilsaufstockung bei der polnischen Rawag hat das Unternehmen das Engagement bei Bus- und Bahntüren in Osteuropa ausgeweitet. Zudem hat sich Schaltbau mit der Gründung einer Beteiligungsgesellschaft in Südkorea positioniert.

 

Das Augenmerk liegt auf der Bildung von flexiblen lokalen Einheiten, mit denen sich zugleich die steigenden local-content-Anforderungen erfüllen lassen. In immer mehr Ländern ist zu beobachten, dass lokale Anbieter bei der Auftragsvergabe bevorzugt oder ausländische Unternehmen von vorneherein ausgeschlossen werden. Dieses Problem kann Schaltbau so umgehen und von großen internationalen Projekten profitieren. Als ein Beispiel sei der geplante Ausbau des Schienennetzes in Katar genannt, der große Aufträge verspricht. In Deutschland ist ebenfalls ein größeres Projekt absehbar: Natürlich bietet Schaltbau bei den Ausschreibungen für den neuen ICx der Deutschen Bahn mit.

 

 

2010 im Rahmen unserer Erwartungen

Auf das zurückliegende Geschäftsjahres 2010 wollen wir nur kurz eingehen. Mit einem Umsatzplus von 4 Prozent auf 280 Mio. Euro entsprachen die Zahlen im Wesentlichen unseren Erwartungen. Kräftige Zuwächse gab es in der Mobilen Verkehrstechnik um 8 Prozent auf 118 Mio. Euro und, angetrieben von der Erholung in den industriellen Bereichen, bei den Komponenten mit einem Plus von 14 Prozent auf 76 Mio. Euro. In der Stationären Verkehrstechnik gaben die Erlöse hingegen als Folge der niedrigen Auftragseingänge im Vorjahr um 8 Prozent auf 87 Mio. Euro nach.

 

Viel wichtiger ist die Gewinnentwicklung – und die kann sich mit einem Zuwachs des EBIT auf 23,8 (Vj. 20,3) Mio. Euro sehen lassen. Die Marge verbesserte sich damit auf 8,5 (7,5) Prozent. Dass das Jahresergebnis mit 12,1 (12,3) Mio. Euro dennoch hinter dem Vorjahreswert zurückblieb, liegt in erster Linie am Wegfall des Sonderertrags von 1,1 Mio. Euro aus dem Verkauf der Beteiligung an Beijing Bode, der den Wert im Vorjahr positiv beeinflusst hatte. Der Gewinn je Aktie lag mit 6,50 Euro dennoch etwas höher als erwartet.

 

Sehr erfreulich werten wir die kräftige Anhebung der Dividende auf 1,10 (0,70) Euro, die wir in diesem Umfang nicht erwartet hatten. Mittelfristig strebt Schaltbau eine Ausschüttungsquote von 25 Prozent an. Damit ist also noch etwas Platz nach oben.

 

 

Gewinnverdopplung im ersten Halbjahr 2011

Nun aber zu den Zahlen der ersten sechs Monate 2011, die überaus positiv ausgefallen sind. Der Auftragseingang übertraf in diesem Zeitraum mit 192 Mio. Euro den schon guten Vorjahreswert nochmals um 25 Prozent. Auch der Umsatz lag mit 156 (134) Mio. Euro deutlich höher und in der Folge verbesserte sich das EBIT um satte 54 Prozent auf 15,9 Mio. Euro. Die EBIT-Marge übersprang damit die Marke von 10 Prozent.

 

Das Konzernergebnis konnte auf 10,7 (5,3) Mio. Euro sogar verdoppelt werden und der Gewinn je Aktie hat mit 5,52 Euro nach sechs Monaten schon fast den Wert des gesamten Vorjahres erreicht. Zu diesem überragenden Erfolg haben allerdings auch Sondereffekte beigetragen – die Zahlen lassen sich also nicht so einfach auf das Gesamtjahr hochrechnen.

 

Eine Anhebung der Prognose schien dem Vorstand nach dem großen Erfolg des ersten Quartals dennoch opportun. Die Planung geht nun für 2011 von einem Umsatzanstieg auf rund 300 Mio. Euro, einem EBIT von ca. 26 Mio. Euro und einem Gewinn je Aktie von 8 Euro aus. Dies bedeutet immerhin einen Anstieg von 23 Prozent gegenüber 2010. Und wir trauen Schaltbau durchaus zu, hier noch eine ganze Schippe draufzulegen.

 

 

Bilanzstruktur erheblich verbessert

Mit der Kündigung der Wandelanleihe haben sich Anfang 2011 außerdem die Bilanzstrukturen erheblich verbessert. Bei einer Wandlungsquote von 98 Prozent erhöhte sich die Aktienzahl auf rund 2,05 Millionen Stück und parallel wuchs das Eigenkapital um rund 7,5 Mio. Euro. Die Eigenkapitalquote nähert sich damit nach unseren Berechnungen so langsam der Marke von 25 Prozent. Wie Sie sich vielleicht erinnern, war das Eigenkapital im Konzern bis vor einigen Jahren noch negativ – davon ist heute keine Spur mehr zu sehen! Als mittelfristige Zielgröße peilt der Vorstand nun zunächst einen Wert von 35 Prozent an.

 

Gleichzeitig konnten die Nettofinanzschulden deutlich zurückgeführt werden. Um die Finanzierung langfristig abzusichern, hat der Vorstand vor kurzem dennoch einen  neuen Konsortialkreditvertrag unterzeichnet. Damit wurde eine Aufstockung des Kreditvolumens um rund 20 Mio. Euro auf 65 Mio. Euro, eine Verlängerung der Laufzeit von März 2013 auf Juni 2016 sowie eine Verbesserung der Konditionen erreicht. Die Schaltbau-Gruppe ist somit flexibel aufgestellt und für die nächsten Wachstumsschritte vorbereitet. Bemerkenswert finden wir, dass die Banken zugleich alle Sicherheiten freigegeben haben. Wenn das kein Vertrauensbeweis ist!

 

 

Aktie bietet erhebliches Potenzial

Es gibt also eigentlich nur Positives von dem Münchner Unternehmen zu berichten. Dennoch hat die Aktie in den Börsenturbulenzen der letzten Wochen ihren Aufwärtstrend unterbrochen und von in der Spitze fast 85 Euro auf 66 Euro nachgegeben. Bereits auf Basis unserer 2011er Schätzung liegt das KGV damit nur bei 7,4. In Anbetracht der sehr soliden Geschäftsentwicklung sowie der in den letzten Jahren immer wieder unter Beweis gestellten hohen Prognosesicherheit ist dies viel zu günstig.

 

Zudem sind wir sicher, dass der Aufwärtstrend beim Gewinn in den nächsten Jahren anhält. Gemäß der Mittelfristplanung sollen in 2015 satte 11 Euro je Aktie verdient werden. Zusätzliche Sicherheit gibt uns, dass Vorstand und Aufsichtsrat maßgeblich an ihrem Unternehmen beteiligt sind und selbst größtes Interesse an einer Fortsetzung der positiven Geschäftsentwicklung haben. Rund 21 Prozent der Aktien befinden sich im Besitz der Familien Cammann und Zimmermann.

 

Bei einem Streubesitz von mehr als drei Viertel gibt es dennoch genügend Material, um anderen Investoren den Einstieg in das interessante Unternehmen zu ermöglichen. Zudem könnte die in Sichtweite gekommene Aufnahme der Aktie in den SDAX für Rückenwind sorgen. Für Schaltbau stehen weiterhin alle Ampeln auf grün.

 

Hinweis: Die von einem Mitglied der nebeneffectenBrief-Redaktion geführte Beteiligungsgesellschaft GSC Portfolio AG hält Wertpapiere dieses Unternehmens.

 

 

Kennzahlen

 

2009

2010

2011e

Umsatz

269,8 Mio. €

280,4 Mio. €

315 Mio. €*

Nettoergebnis

12,3 Mio. €

12,1 Mio. €

18,4 Mio. €*

Erg./Aktie

6,62 €

6,50 €

8,98 €*

KGV

10,0

10,2

7,4*

Dividende

0,70 €

1,10 €

1,50 €*

Div.rendite

1,1%

1,7%

2,3%*

*Quelle: Schätzung GSC Research

 

Nächste Hauptversammlung: Juni 2012

 

 

Schaltbau Holding AG, ISIN DE0007170300

Hoch/Tief 52 W.

Aktienzahl

Börsenwert

84,50/47,49 €

2.050.730

135,8 Mio. €

 

 

Empfehlung: KAUFEN

Kurs 15.08.2011

Potenzial

Risiko

66,20 €

90,00€

gering