Sartorius AG: Neue Rekorde sind schon vorprogrammiert

Der Biotech- und Mechatronik-Spezialist wächst nach dem Ausrutscher in 2009 wieder hochprofitabel

Analyst: Matthias Wahler

 

 

Es gibt sicher nicht viele Firmen, die ihre Kunden auf so einfache Weise von der Qualität ihrer Produkte überzeugen können. Denn Sartorius kann hier mit einem sehr eindrucksvollen Beleg aufwarten: Die deutschen Eichbehörden, geradezu ein Inbegriff für Präzision und Sicherheit, nutzen die Massekomparatoren aus Göttingen nicht nur für ihre eigene Arbeit. Das Institut zertifizierte das Unternehmen außerdem schon im Jahr 1993 für die Hersteller-Ersteichung von elektronischen Waagen – das kann man durchaus als Adelung verstehen.

 

Labor- und Industriewaagen für eine Vielzahl von Anwendungen nehmen bei Sartorius einen großen Raum ein. Das Produktportfolio ist allerdings deutlich breiter aufgestellt. Sartorius ist international einer der führenden Labor- und Prozesstechnologie-Anbieter mit den Kernkompetenzen Biotechnologie und Mechatronik und mit seinen Produkten praktisch in jedem Labor zu finden.

 

Kunden von Sartorius sind im Bereich Mechatronik vor allem Unternehmen aus der Lebensmittel- und Pharmaindustrie, die auf das umfassende Angebot an Wäge- und Kontrolltechnik sowie eine Vielzahl von Geräten für die Messung von Feuchtigkeit, Dichte und Oberflächentemperatur setzen. Insbesondere im Bereich der hochauflösenden Wägetechnik und Feuchtebestimmung hat Sartorius hier neue Maßstäbe gesetzt.

 

 

Breites Produktportfolio für viele Branchen

 

Für die biopharmazeutische Industrie bietet Sartorius ein breites Produkt- und Dienstleistungsprogramm für das optimale Zusammenspiel zwischen Entstehung der Zellkultur und den folgenden Aufarbeitungs- und Reinigungsschritten. Zunehmend treten die Göttinger in diesem Geschäft als Komplettlösungsanbieter auf. Großes Potenzial eröffnet vor allem die Einwegtechnologie, die in diesem Bereich bereits 75 Prozent zum Gesamtumsatz beiträgt. Mit Einwegprodukten können die Unternehmen das Investitionsvolumen drastisch reduzieren und die Produktionskosten über den Lebenszyklus um bis zu 40 Prozent reduzieren – ein gutes Verkaufsargument.

 

Über 3.700 Personen – darunter viele Biotechnologen, Chemiker, Ingenieure und Software-Spezialisten – arbeiten weltweit für die Gruppe, deren Wurzeln bis ins Jahr 1870 zurückreichen. Damals entwickelte Florenz Sartorius, Gründer und Namensgeber, eine Analysewaage, die den Forschern die Ergebnisse in der Hälfte der Zeit lieferte – eine revolutionäre Neuerung. Seine Nachfahren haben noch heute das Sagen: Der Aufsichtsratsvorsitzende Prof. Dr. Arnold Picot vertritt als Testamentsvollstrecker gut 50 Prozent der Stammaktien und bestimmt damit maßgeblich die Geschicke des Unternehmens.

 

 

Stamm- und Vorzugsaktien an der Börse

 

In den letzten Jahren hat daneben der Finanzinvestor Bio-Rad Laboratories eine Beteiligung von 25 Prozent an dem Labor- und Prozesstechnologieanbieter aufgebaut. Weitere 7 Prozent befinden sich im direkten Familienbesitz und 9 Prozent der Anteile hält das Unternehmen im eigenen Bestand, um sie gegebenenfalls im Rahmen von Akquisitionen nutzen zu können – nach dem deutlichen Kursanstieg der Aktie eine interessante Option. Dies bedeutet allerdings, dass derzeit nur 9 Prozent der Stammaktien frei handelbar sind; entsprechend gering sind die Handelsumsätze.

 

Auch von den Vorzugsaktien hält Sartorius 9 Prozent im eigenen Bestand. Ansonsten gibt es jedoch keinen größeren Investor, weshalb sich der Börsenhandel hier weitaus lebhafter gestaltet. Eine Zusammenlegung der beiden Aktiengattungen wird auf praktisch jeder Hauptversammlung von Seiten der Kleinaktionäre angeregt. Entsprechende Pläne bestehen aber nicht und dieses Vorhaben würde sich derzeit auch nicht umsetzen lassen. Schließlich müssten dem 75 Prozent der Stammaktionäre zustimmen, was angesichts der Aktionärsstruktur derzeit faktisch ausgeschlossen ist.

 

 

Zuwächse in beiden Sparten und allen Regionen

 

Nun aber zur Entwicklung des Geschäfts. Dieses teilt sich in zwei Segmente auf, die sich nicht unbedingt im Gleichklang bewegen. In 2009 war dies von Vorteil: Während die Mechatronik stark von der Wirtschaftskrise betroffen war, wies die Biotechnologie insbesondere im Bereich Einwegbehälter ein deutlich zweistelliges Wachstum auf. Zusätzliche Impulse gab es damals durch die Bestellung der H1N1-Impfstoffhersteller. Per Saldo brachte die zweigeteilte Geschäftsentwicklung Sartorius mitten in der Krise einen nahezu stabilen Umsatz ein.

 

Mit der anziehenden Konjunktur ging es im Jahr 2010 dann wieder mächtig voran. Nach vorläufigen Zahlen kletterten die Erlöse um 9,5 Prozent auf 659,3 Mio. Euro, wozu diesmal beide Konzernsparten und alle Regionen ihren Teil beitrugen. Am stärksten wuchs der asiatisch-pazifische Raum mit einem Umsatzplus von 18 Prozent und einem um 27 Prozent höheren Bestellvolumen. Damit zahlte sich aus, dass Sartorius den Blick frühzeitig in Richtung China gewendet hat und in diesem wichtigen Markt mit mehreren Gesellschaften vertreten ist. Auch Nordamerika erreichte wieder zweistellige Zuwächse.

 

 

Einwegtechnologie als Wachstumstreiber

 

Wachstumstreiber im Bereich der Biotechnologie, die um 8 Prozent auf 433 Mio. Euro zulegte, waren wie im Vorjahr die Einwegprodukte für die biopharmazeutische Industrie. Das Biotech-Geschäft ist in der Sartorius Stedim Biotech S.A. (SSB) gebündelt, an der Sartorius 71,8 Prozent hält. Die SSB ist in Frankreich selbst börsennotiert, was der langjährige Sartorius-Vorstand Joachim Kreuzburg als Vorteil sieht. Die Firma soll weiterhin eigenständig bleiben.

 

In der Mechatronik erhöhte sich der Umsatz nach dem rezessionsbedingten Rückgang des Vorjahres wieder um 12 Prozent auf 227 Mio. Euro. Dazu beigetragen hat sowohl das Geschäft mit Laborinstrumenten wie auch mit industrieller Wäge- und Kontrolltechnik.

 

 

Operatives Ergebnis steigt um 40 Prozent

 

Die Ergebnisse legten ebenfalls in beiden Bereichen zu. Auf Basis des um Sondereffekte bereinigten EBITA, das Sartorius als zentrale Kenngröße verwendet, verbesserte sich die Marge der SSB weiter auf 16,2 (Vj. 15,0) Prozent und erreichte damit ein neues Rekordniveau. Noch stärker fiel der Zuwachs in der Mechatronik aus, in der die Rendite nach dem sehr schwachen Vorjahreswert auf recht annehmbare 6,8 (0,4) Prozent stieg – hier gibt es allerdings noch einiges Verbesserungspotenzial, was wir als eines der zentralen Argumente für unsere Empfehlung sehen.

 

Im Konzern sprang das operative EBITA um 40 Prozent nach oben und erreichte 85,5 Mio. Euro, womit sich die Marge auf 13 (10,1) Prozent verbesserte. Noch deutlicher wird der Ergebnisswing beim Jahresüberschuss, der im Vorjahr aufgrund von Restrukturierungskosten mit minus 7,3 Mio. Euro noch negativ ausgefallen war. Diesmal steht ein Plus von 31 Mio. Euro im Abschluss, was ein neuer Rekord für Sartorius ist.

 

 

Dividende wird deutlich steigen

 

Nachdem die Dividende für 2009 sehr schmal ausgefallen war, sollte sie in diesem Jahr deutlich steigen. Denn die Nettoverschuldung ist auf 197 (225) Mio. Euro gesunken, womit sich der sogenannte dynamische Verschuldungsgrad auf nur noch 1,8 (2,6) beläuft, was eine sehr annehmbare Größe darstellt. Nachdem vor einem Jahr nur 0,40 (Stämme) zw. 0,42 Euro (Vorzüge) ausgeschüttet wurden, können wir uns für 2010 durchaus eine Anhebung der Dividende auf 0,70 Euro vorstellen. Selbst dies wäre nur eine Ausschüttungsquote von 38 Prozent.

 

Bezogen auf den Aktienkurs, der in den letzten 12 Monaten ganz erheblich zugelegt hat und sich der Marke von 30 Euro nähert, entspräche dies einer Rendite von 2,4 Prozent. Das klingt nicht allzu üppig und optisch erscheint die Aktie mittlerweile auf den ersten Blick recht teuer. Tatsächlich dürfte das derzeitige Kursniveau angesichts der sehr positiven Zukunftsperspektiven aber nur eine Zwischenstation auf dem Weg zu neuen Höhen darstellen.

 

 

Erneuter Gewinnsprung zu erwarten

 

In das Jahr 2011 sind beide Sparten gut gestartet. Wir gehen davon aus, dass der Umsatz im Gesamtjahr die Marke von 700 Mio. Euro überspringen und das Ergebnis insbesondere durch die Impulse der Mechatronik erneut überproportional zulegen wird. Ausgehend von einem Wert von 17 Prozent in der Biotechnologie und 8 Prozent in der Mechatronik müsste sich die Marge im Konzern bei etwa 14 Prozent einpendeln.

 

Der Jahresüberschuss sollte damit auf über 40 Mio. Euro steigen, woraus bei Berücksichtigung der eigenen Anteile ein Gewinn um die 2,40 Euro je Aktie resultieren sollte. Dies wäre ein neuer Rekord für Sartorius und würde die Bewertung der Aktie stark relativieren. Das KGV beträgt damit lediglich 12, obwohl wir auch für die Folgejahre weitere Gewinnzuwächse erwarten. Kurse von 37 Euro sollten damit auf Jahressicht mindestens drin sein.

 

 

Kennzahlen

 

2009

2010

2011e

Umsatz

602,1 Mio. €

659,3 Mio. €

708 Mio. €*

Nettoergebnis

-7,3 Mio. €

31,0 Mio. €

41 Mio. €*

Erg./Aktie

-0,43 €

1,82 €

2,41 €*

KGV

neg.

16,2

12,2*

Dividende

0,42 €

0,70 €*

0,90 €*

Div.rendite

1,4%

2,4%*

3,1%*

*Quelle: Schätzung GSC Research

 

Nächste Hauptversammlung: 20.04.2011

 

 

Sartorius AG Vz, ISIN DE0007165631

Hoch/Tief 52 W.

Aktienzahl

Börsenwert

29,86/16,24 €

18.720.000

 554,0 Mio. €

 

 

Empfehlung: KAUFEN

Kurs 21.02.2011

Potenzial

Risiko

29,49 €

37,00 €

gering