TA Triumph-Adler: Kommentar zu unserem Artikel
27.05.2010 09:36 von Matthias Schrade
Unternehmen hat eine andere Sicht der Dinge
Zu unserem Artikel über TA Triumph-Adler in der aktuellen Ausgabe sandte uns Dr. Joachim Fleing, Investor Relations Manager des Unternehmens, den folgenden Kommentar zu, den wir Ihnen nicht vorenthalten möchten:
"Sie haben sicher Verständnis dafür, dass das Unternehmen eine andere Sicht auf die Dinge hat. Die Rücknahme der Planungen war keineswegs, wie man aus Ihren Zeilen lesen könnte, dem Vorhaben geschuldet, den Abfindungspreis zu drücken.
Lassen Sie mich daher richtigstellen: Die Planungen mussten revidiert werden, nachdem die krisenbedingt erlittenen Umsatzrückgänge seit dem Q4 2008 dem Unternehmen erneut massive Verluste beschert hatten - die auch im Rumpfgeschäftsjahr und im ersten Quartal des laufenden GJ andauern. Ich kann mir keinen Vorstand denken, der sich eine solche Entwicklung in den Lebenslauf schreibt, nur um einem Dritten ein paar Cent pro Aktie zu ersparen. Inzwischen hat sich herausgestellt, dass aufgrund doloser Handlungen in einer Tochtergesellschaft die früheren Ergebnisse zu hoch angesetzt waren. Auch das ermuntert nicht, einen höheren Abfindungspreis anzunehmen.
Übrigens: Die Annahme, ein befragter Aktionär werde nicht klagen, rechtfertigt nicht den Schluss, dass dann kein anderer klagen wird.
Mit freundlichen Grüßen
TA Triumph-Adler AG
Investor Relations
Dr. Joachim Fleing"
Ich habe dazu wie folgt geantwortet:
"Sehr geehrter Herr Dr. Fleing,
es lag nicht in unserer Absicht, dem Vorstandsolche Absichten zu unterstellen. Teilweise ist diese Interpretation sicher auch der durch Platzknappheit entstandenen sehr kurzen Formulierung unserer Einschätzung geschuldet.
Vielmehr halten wir aufgrund unserer langjährigen Kenntnis der wahren Stärke des Unternehmens die Planung, erst in 2015/16 wieder in den gewohnten Umsatz- und Ertragsbereich zurückzukehren, für eher konservativ und trauen dem Management zu, das Unternehmen schon früher wieder auf dieses Niveau zu führen. Dass TA nach den Vorfällen und Entwicklungen der letzten Monate vorsichtiger geworden ist, kann ich dem Vorstand nicht verdenken. Die Argumentation im Spruchstellenverfahren dürfte aus Kleinaktionärssicht aber genau in diese Richtung gehen.
Auch wenn die reduzierte Planung sicherlich nicht ohne Grund erfolgt ist, zeigt die frühere Planung doch, dass in TA eigentlich ein höheres Potenzial steckt. Aufgrund unserer Erfahrungen mit anderen Spruchstellenverfahren gehen wir davon aus, dass dies auch vor Gericht eine wichtige Rolle bei der Beurteilung der Abfindungshöhe spielen wird - deshalb unsere Einschätzung, dass die Nachbesserungschancen durchaus gut sind.
Ansonsten Danke für Ihren Hinweis bzgl. unserer Ansicht, es könnte möglicherweise keine Anfechtungsklagen geben. Natürlich ist dies nie sicher vorherzusagen. Aufgrund unserer Kenntnis der "Szene" und Gesprächen mit Anwesenden hielten wir die Chancen jedoch für ungewöhnlich groß, dass es bei TA ausnahmsweise tatsächlich ohne Klagen abgeht und haben dieses interessante Detail dementsprechend im Artikel erwähnt.
Trotzdem bin ich jetzt nicht sicher, ob Ihre Formulierung so zu lesen ist, dass inzwischen Klagen eingegangen sind, aber dies werden wir ja vermutlich schon bald alle offiziell erfahren ;-)
mit freundlichen Grüßen
Matthias Schrade
- Chefredakteur -
nebeneffectenBrief"
An unserer grundsätzlich positiven Einschätzung der Nachbesserungs-Chancen bei TA ändert sich durch den Kommentar des IR-Sprechers nichts. Allerdings bin ich jetzt doch deutlich weniger optimistisch, ob die von uns erhoffte kurzfristige Eintragung des Squeeze-Out tatsächlich zustande kommen wird.
Da die Frist zur Einreichung von Anfechtungsklagen bereits abgelaufen ist, sollte in den nächsten Tagen eine Meldung darüber kommen, ob und wenn ja wieviele Klagen eingegangen sind. Sofern gegen den Squeeze-Out geklagt wird (was aus Investorensicht unseres Erachtens in diesem Fall nicht wirklich sinnvoll ist), sehen wir aber gute Chancen auf eine vergleichsweise zügige Handelsregistereintragung im Wege des Freigabeverfahrens.
Bleiben Sie daher unverändert investiert.
Matthias Schrade
nebeneffecten...