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Ropal: Unsere Befürchtungen waren völlig berechtigt

06.07.2010 16:07 von Matthias Schrade

Horrende 7,8 Mio. Euro Verlust bei nur 68 TEUR Umsatz im Jahr 2009

Fast exakt ein Jahr ist es her, dass wir vor der ROPAL-Aktie warnten. Hintergrund waren die ungewöhnlichen Bilanzierungspraktiken bei den Forderungen, die "irgendwie an Thielert" erinnerten.

 

Jetzt liegt der Jahresabschluss 2009 (5,0 MB) der ROPAL Europe AG vor - und zeigt, dass unsere Befürchtungen in vollem Umfang wahr geworden sind. Bei einem Umsatz von schlappen 68 TEUR (sic!) musste ein EBIT von minus 8,7 Mio. Euro sowie ein Konzernverlust von sage und schreibe 7,8 Mio. Euro ausgewiesen werden. Dabei entfielen 6,2 Mio. Euro auf Forderungsabschreibungen und Rückstellungen für offene Rechtsstreitigkeiten. Das Eigenkapital drittelte sich durch den Verlust auf nur noch 3,1 Mio. Euro, wobei auf der Aktivseite noch immer 1,2 Mio. Euro an Immateriellen Vermögensgegenständen, 743 TEUR an latenten Steuern und 0,9 Mio. Euro an offenen Forderungen stehen - das Risiko weiterer Abschreibungen ist daher nicht auszuschließen.

 

Zur Erinnerung: Im Halbjahresbericht am 07.09.2009 - also weniger als vier Monate vor Jahresende - ließ sich Ex-Vorstand Klaus Mairhöfer noch mit der Aussage zitieren, man werde "Trotz des Verlusts im ersten Halbjahr [...] die Schätzungen der Analysten für das Gesamtjahr treffen." Die Prognose von Close Brothers Seydler wurde, damit auch wirklich keiner den Optimismus des Vorstands unterschätzt, im gleichen Atemzug mit einem Umsatz von 17,7 Mio. Euro und einem EBIT von 6,6 Mio. Euro angegeben.

 

Und auch wenn der neue Alleinvorstand Thomas Schöning laut Pressemeldung "sehr positiv für die Zukunft des Unternehmens" gestimmt ist, deutet die Ankündigung des Turnaround für 2011 doch an, dass im laufenden Jahr erneut mit roten Zahlen zu rechnen ist. Immerhin werden die Probleme nun offenbar ernsthaft angepackt und die Kommunikation zugleich deutlich ehrlicher gestaltet. Mit Schönfärberei, wie sie die abberufenen alten Vorstände bis zuletzt betrieben, wäre den Aktionären nicht geholfen. Noch besser hätte ich es aber gefunden, wenn die Meldung der Horrorzahlen nicht mit einer harmlos klingenden Überschrift wie "Startschuss für kommerzielle Vermarktung des Chrom-Optics-Verfahrens" verpackt worden wäre.

 

Übrigens: Der Aktienkurs von ROPAL hat seit unserer Warnung gut 40% eingebüßt, während der DAX rund 25% zugelegt hat. Trotzdem beträgt die Börsenkapitalisierung der ROPAL Europe AG noch immer rund 18 Mio. Euro. Das ist eine stattliche Bewertung für eine Firma, die zuletzt praktisch keine Umsätze machte, operativ wohl zumindest auch 2010 noch einmal weitere (ich befürchte erhebliche) Verluste ausweisen dürfte und ihren Ruf am Kapitalmarkt ordentlich ramponiert hat.

 

Zwar stellen der Wechsel im Vorstand und dessen deutlich realistischere Prognosen einen Silberstreif am Horizont dar. Trotzdem kann ich aufgrund der immer noch überhöhten Börsenbewertung beim aktuellen Kursniveau von 3,20 Euro nur wiederholen, was ich schon seit einem Jahr sage: Finger weg von der ROPAL-Aktie!


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Kommentar von Matthias Schrade | 20.07.2010

Im W:O-Board wird bereits über eine drohende baldige Insolvenz spekuliert:

http://www.wallstreet-online.de/diskussion/1140585-561-570/ropal-europe
(siehe Beitrag #568 und #569)

 

Angesichts der hohen operativen Verluste und der zur Neige gehenden liquiden Mittel halte ich diese Gefahr ebenfalls für real.

 

In den zwei Wochen, die seit dem o.g. Blogeintrag vergangen sind, ist ROPAL übrigens erneut 20% im Kurs gesunken.