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Kommentar zum P&I-Artikel in der Börsen-Zeitung

04.08.2010 17:28 von Matthias Schrade

In ihrer heutigen Ausgabe berichtet die Börsen-Zeitung über die Querelen bei der P&I Personal & Informatik AG. Anlass war die Ablehnung von Ergänzungsanträgen der Deutsche Balaton AG zur Hauptversammlung am 2.9., unter anderem auf Durchführung einer Sonderprüfung. Hintergrund ist, dass zwei Mitglieder des Aufsichtsrats versucht haben sollen, Beschlüsse auf Geltendmachung von 4,5 Mio. Euro Schadenersatz gegen die Vorstände Voß und Traidis herbeizuführen und diese abzuberufen. Diese Beschlüsse kamen laut P&I unwirksam zustande, weil der Aufsichtsratsvorsitzende an den Sitzungen nicht teilnahm, womit das Gremium nicht beschlussfähig war.

 

Die Deutsche Balaton hält 5,03% an P&I. Aufgrund der genannten Vorgänge will Balaton laut dem der Börsen-Zeitung vorliegenden Ergänzungsantrag neben der Durchführung einer Sonderprüfung den von Großaktionär Carlyle (Anteil inzwischen 46,77%) eingesetzten Aufsichtsratsvorsitzenden abberufen lassen. Außerdem beantragt Balaton, den Vorständen Triadis und Voß das Vertrauen zu entziehen.

 

Der Artikel schließt mit den beiden folgenden Sätzen:

 

"Letztlich ist das Ziel mit Sicherheit, einen guten Preis herauszuholen", sagt Matthias Schrade von GSC Research in Düsseldorf. Aus fundamentaler Sicht sei das Kurspotenzial der Aktie vorerst ausgereizt.

 

Diese Formulierungen sind im Kontext – gelinde gesagt – sehr unglücklich an den Artikel angefügt. Natürlich ist es sicherlich das Ziel jedes Investors, am Ende einen möglichst hohen Gewinn zu erzielen – insofern ist das Zitat unabhängig vom Kontext nicht falsch. Was ich jedoch ganz gewiss nicht gesagt habe, ist, dass das Ziel der Anträge von Balaton mit Sicherheit nur sei, einen guten Preis herauszuholen. Und schon gar nicht zum Ausdruck gebracht habe ich, dass Balaton damit einen Preis durchsetzen will, der über dem eigentlichen „fundamentalen Wert“ liegt.

 

Im Gegenteil: Angesichts der Vorfälle halte ich insbesondere das Ansinnen, eine Sonderprüfung rund um die skizzierten Vorgänge durchzuführen, für absolut legitim. Die drei in diesem Kontext veröffentlichten Ad-hoc-Meldungen suchen sicherlich ihresgleichen.

 

Was die Bewertung angeht, so habe ich im Gespräch mit der Börsen-Zeitung zwar gesagt, dass das Potenzial der Aktie nach dem starken Kurssprung und mit einem KGV von aktuell etwa 16 bis 17 meiner Ansicht nach kurzfristig ausgereizt ist. Immerhin hat der Kurs seit unserer Empfehlung in der März-Ausgabe binnen lediglich fünf Monaten um fast 30% zugelegt und auch unser damals auf Jahressicht ausgegebenes Kursziel von 25 Euro bereits annähernd erreicht.

 

Mit keiner Silbe erwähnt hat die Börsen-Zeitung allerdings leider, dass ich darüber hinaus noch SEHR (!) viel mehr zum Thema „Bewertung“ gesagt habe – insbesondere was die langfristigen Potenziale angeht. So erwähnte ich unter anderem auch

- dass P&I in Deutschland eine herausragende Marktposition hat, die möglicherweise auch EBIT-Margen in Richtung 30% erlauben könnte (zuletzt wurde diese von 22,2 auf 24,2% verbessert)

- dass in diesen Zahlen teilweise auch in meinen Augen überhöhte Kosten enthalten waren, beispielsweise die Millionenausgaben für Investor Relations, deren Zweck und Nutzen unklar blieb (was außerdem ein Indiz dafür ist, dass die oben erwähnten Schadenersatzansprüche nicht völlig aus der Luft gegriffen sind)

- dass das Potenzial international noch kaum erschlossen ist, was den Umsatz in eine völlig andere Dimension führen könnte

- dass die Ermittlung des „fairen Wertes“ einer so exzellent positionierten, schuldenfreien Firma generell schwierig ist, weil dafür auch höhere Preise als bei „normalen“ Firmen ansetzbar sind

- dass im Fall einer Übernahme von P&I durch einen Strategen, der mit seinem bestehenden Vertriebsnetz die internationalen Wachstumspotenziale relativ leicht heben kann, ein nochmals deutlich höherer Kurs bezahlt werden dürfte.

 

Im Übrigen darf ich darauf hinweisen, dass wir zum Zeitpunkt unserer letzten Empfehlung noch einen Gewinn von 1,26 Euro je Aktie für das abgelaufene Geschäftsjahr 2009/10 (bis 31.3.) schätzten und auf dieser Basis ein 12-Monats-Kursziel von 25 Euro nannten. Tatsächlich geworden sind es am Ende aber 1,45 Euro je Aktie – also 15% mehr als von uns erwartet. Ohne der Neubewertung durch meinen zuständigen Kollegen zuvorkommen zu wollen, lässt sich auch hieraus zusätzliches fundamentales Kurspotenzial ableiten.

 

Wie Sie sehen, wurden die beiden eingangs genannten Sätze in der Börsen-Zeitung doch ziemlich aus dem Zusammenhang gerissen. Lassen Sie sich daher nicht irritieren: Wir halten die P&I Personal & Informatik AG immer noch für ein erstklassiges Unternehmen und sehen für die Aktie langfristig nach wie vor großes Potenzial.

 

Durch die jüngsten Meldungen einigermaßen angeschlagen ist allerdings unser Vertrauen in das Management – oder zumindest Teile davon. Es wäre wünschenswert, wenn dieses Thema schnell bereinigt würde. Eine Sonderprüfung würden wir daher sehr begrüßen. Und hoffen, dass wir uns bei der Berichterstattung über P&I künftig wieder einzig auf die exzellenten Zahlen beschränken können.

 

Hinweis: Der von uns beratene Aktienfonds GSC Value One AMI hält Wertpapiere dieses Unternehmens.


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