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MBB Industries AG: Hier gibt’s 6 Firmen mit Mengenrabatt

Trotz 5,6% Rendite, Wachstumsfantasie und solider Bilanz notiert die Aktie unter dem Buchwert

 

Analyst: Matthias Wahler

 

 

Die MBB Industries AG ist eine Beteiligungsgesellschaft mit Fokus auf mittelständische Industrieunternehmen. Gegründet im Jahr 1995, nahm sie den heutigen Namen zwei Jahre später im Zuge der Übernahme einer ehemaligen Tochtergesellschaft von Messerschmitt-Bölkow-Blohm (MBB) von Daimler-Benz Aerospace an. Die Umfirmierung war sicherlich die richtige Entscheidung – mit dem Gründungsnamen Nesemeier & Freimuth wäre der Börsengang im Jahr 2006 vielleicht nicht so glatt über die Bühne gegangen.

 

Nach dem anfänglichen Interesse schenken die Anleger der Aktie allerdings seit einiger Zeit keine rechte Beachtung mehr – zu Unrecht, wie wir meinen. Schließlich kann das Management seit der Gründung eine durchschnittliche Rendite von 30 Prozent auf das eingesetzte Kapital aufweisen und hat damit zu Genüge bewiesen, dass es sein Geschäft versteht. Auch die Wirtschaftskrise hat die Firmengruppe ohne größere Blessuren überstanden.

 

 

Sechs Beteiligungen im Portfolio

Zunächst aber einige Worte zum Geschäftsmodell. Die MBB beteiligt sich langfristig an mittelständischen Industrieunternehmen und legt den Fokus auf Nischenplayer mit einem nachvollziehbaren Geschäftsmodell, die zu günstigen Konditionen erworben werden können. Dabei geht MBB grundsätzlich nur Mehrheitsbeteiligungen ein. Nach Möglichkeit erwirbt man gleich über 75 Prozent, um in der Tochterfirma in jedem Fall das Sagen zu haben.

 

Im Rahmen einer Buy-and-Build-Strategie werden die übernommenen Firmen dann unter Nutzung der Synergiemöglichkeiten langfristig entwickelt. Derzeit umfasst das MBB-Portfolio sechs Unternehmen, die zusammen rund 650 Mitarbeiter beschäftigen und die im Geschäftsjahr 2010 in Summe einen Umsatz von 116 Mio. Euro erwirtschafteten.

 

 

Wirtschaftskrise gut gemeistert

Eine der größten Gesellschaften ist die CT Formpolster GmbH (kurz: CTF), die MBB per 01.01.2010 zu 100 Prozent von der Continental AG erworben hat. CTF fertigt Polyetherschäume für vielfältige Polster- und Dämpfungsanwendungen und bedient damit vor allem die Automobil-, Möbel- und Caravanindustrie. Der Schwerpunkt liegt auf der Fertigung von Matratzen. Der Umsatz von CTF belief sich im vergangenen Jahr auf etwa 24 Mio. Euro.

 

Fast genauso groß ist das Geschäftsvolumen der DTS Systeme GmbH, die allerdings weitaus größere Wachstumsperspektiven bietet. Als IT-Dienstleister mit eigenen Rechenzentren spezialisiert sich die DTS zunehmend auf das Thema Cloud-Computing und entwickelt spezielle Lösungen für mittelständische Unternehmen. Derzeit forciert die Gesellschaft die Ausweitung der Vertriebs- und Service-Aktivitäten mit dem Ziel, den Serviceanteil von aktuell weniger als 15 auf über 50 Prozent auszubauen, was sich sehr positiv auf die Marge auswirken wird.

 

Nur geringfügig kleiner ist mit einem Umsatz von etwa 20 Mio. Euro die Hanke Tissue Spólka z.o.o. In Polen und der Ukraine ist dieses Unternehmen der marktführende Tissueproduzent mit Fokus auf bedruckbaren Servietten. Trotz höherer Rohstoffkosten konnte Hanke Umsatz und Ergebnis seit der Übernahme durch MBB kontinuierlich steigern.

 

 

Sorgenkind Delignit wieder auf Kurs

Es bleibt also festzuhalten, dass die großen Gesellschaften der Gruppe zwar zu kämpfen hatten, die Auswirkungen der Wirtschaftskrise aber gut abfedern konnten. Einzige Ausnahme: die selbst börsennotierte Delignit AG, die als Holzwerkstoffproduzent mit Schwerpunkt auf der Automobilindustrie stark von der Wirtschaftskrise betroffen war. Der Umsatz brach in 2009 um fast 40 Prozent ein; außerdem drückten die steigenden Rohstoffpreise und der intensive Preiswettbewerb so stark auf die Marge, dass das Ergebnis tief ins Minus abrutschte. Auch für das Geschäftsjahr 2010 weist Delignit bei einigermaßen stabilen Umsätzen noch einmal einen Verlust aus.

 

Die Verantwortlichen von Delignit sowie das Management von MBB haben jedoch schnell reagiert und drastische Maßnahmen ergriffen, um das Unternehmen wieder zurück in die Erfolgsspur zu führen. Zentraler Punkt hierbei war der Verkauf der rumänischen Gesellschaften und damit die Konzentration auf das deutlich margenstärkere Geschäft in Deutschland. Außerdem wurde im November 2010 eine Kapitalerhöhung durchgeführt, um die Verschuldung zu verringern und die Kapitalbasis zu stärken. Inzwischen schreibt Delignit, auch dank der anziehenden Konjunktur, wieder schwarze Zahlen.

 

 

Jahresabschluss 2010 durch Delignit belastet

In 2010 hatten die Probleme dieser Gesellschaft allerdings noch erhebliche Auswirkungen auf den Jahresabschluss der MBB. So blieb der Konzernumsatz zwar dank der Erfolge der übrigen Beteiligungen mit 116 Mio. Euro auf dem Vorjahresniveau stabil. Das Ergebnis rutschte mit minus 6,8 Mio. Euro jedoch tief in den roten Bereich, da bei der Veräußerung der rumänischen Gesellschaften an das lokale Management kein Kaufpreis zu erzielen war. Für die MBB entstand daraus ein Entkonsolidierungsverlust von 9,4 Mio. Euro.

 

Das Abrutschen in die roten Zahlen sollten Sie also nicht überbewerten. Bereinigt um den außerordentlichen Effekt erwirtschaftete der Konzern schließlich einen Gewinn von 2,6 Mio. Euro oder 0,40 Euro je Aktie, was sich durchaus sehen lassen kann. Im Übrigen hat die finanzielle Solidität der Gruppe unter der Abschreibung nicht gelitten. Der Cashbestand hielt mit 33,1 (Vj. 35,3) Mio. Euro das hohe Vorjahresniveau und die Nettofinanzmittel erhöhten sich deutlich auf 14,8 (10,7) Mio. Euro bzw. 2,24 Euro je Aktie.

 

Vorstand und Aufsichtsrat haben deshalb entschieden, trotz des Verlustausweises die aktionärsfreundliche Dividendenpolitik beizubehalten. Nach der Rekordausschüttung von 0,50 Euro für 2009 soll die Hauptversammlung am 7.7. immerhin die Zahlung von 0,33 Euro beschließen, was bezogen auf das bereinigte Ergebnis wie im Jahr zuvor eine Ausschüttungsquote von über 80 Prozent bedeutet. Dies entspricht auf dem aktuellen Kursniveau einer Rendite von beachtlichen 5,6 Prozent.

 

 

Üppiger Cashbestand eröffnet Chance zu günstigen Zukäufen

Wichtiger noch ist aber, dass MBB auch nach Zahlung der Dividende noch über ausreichend Mittel verfügt, um das Wachstum zu forcieren. Der Vorstand verfolgt hier große Pläne: Auf dem Eigenkapitalforum informierte er, dass der Gruppenumsatz bis 2012 auf bis zu 300 Mio. Euro mehr als verdoppelt werden soll, wenn sich ausreichend interessante Kandidaten finden. Regelmäßig werden Dutzende Unternehmen geprüft, die die strengen Kriterien aber zumeist nicht erfüllen. Zugekauft werden grundsätzlich nur Firmen mit einer positiven Ergebnishistorie und ebensolchen Aussichten.

 

Sobald Meldungen über erfolgreiche Zukäufe öffentlich werden, müsste dies auch der Aktie auf die Sprünge helfen. Diese kam nun schon seit vielen Monaten nicht vom Fleck, ja sie entwickelte sich trotz des allgemeinen Börsenaufschwungs zuletzt sogar leicht rückläufig. Dabei vereint die MBB mit finanzieller Solidität, Wachstumsfantasie, günstiger Bewertung und hoher Dividende eigentlich alles, was sich ein Anleger wünscht.

 

 

Aktie sollte bald entdeckt werden

Der Blick in die Konzernbilanz unterstreicht dies noch. Exakte Zahlen mit Stand 31.12.2010 liegen zwar noch nicht vor. Das Eigenkapital müsste jedoch rund 46 Mio. Euro betragen, was einen Buchwert je Aktie von 7 Euro bedeutet. Der Kurs liegt mit 5,88 Euro deutlich darunter, obwohl sich das Geschäft operativ durchweg positiv entwickelt und das laufende Jahr vielversprechend begonnen hat. Zudem spielen immaterielle Vermögenswerte keine große Rolle und nach HGB stellt sich die Situation mit Eigenmitteln von 40 Mio. Euro sowie einer Eigenkapitalquote von 87 Prozent sogar noch besser dar.

 

Dass die Aktie dennoch niedriger als vor 12 Monaten notiert, obwohl sich das wirtschaftliche Umfeld gerade für Industrieunternehmen seither erheblich verbessert hat, können wir nicht nachvollziehen. Möglicherweise spielen Verkäufe der Fondsgesellschaft Union Investment eine Rolle, die erst vor wenigen Tagen das Unterschreiten der Schwelle von 3 Prozent gemeldet hat – ein denkbar ungünstiger Zeitpunkt, die Beteiligung zu reduzieren.

 

Viel wichtiger ist jedoch, dass das Management an die Zukunft glaubt und an seiner Beteiligung von rund 73 Prozent festhält. Wir gehen davon aus, dass der Kurs schnell zumindest den Buchwert von 7 Euro erreichen kann, wenn die Aktie erst einmal (wieder-)entdeckt wird. Und in der Folge ist durchaus noch deutlich mehr möglich, wenn MBB zu seinem früheren Ergebnis- und Dividendenniveau zurückkehrt. Selbst zweistellige Kurs sind dann nicht ausgeschlossen. Steigen Sie daher jetzt ein!

 

 

Kennzahlen

 

2009

2010

2011e

Umsatz

116,6 Mio. €

116,0 Mio. €

135 Mio. €*

Nettoergebnis

3,5 Mio. €

-6,8 Mio. €

3,9 Mio. €*

Erg./Aktie

0,54 €

-1,04 €

0,59 €*

KGV

10,9

neg.

10,0*

Dividende

0,50 €

0,33 €

0,50 €*

Div.rendite

8,5%

5,6%

8,5%*

*Quelle: Schätzung GSC Research

 

Nächste Hauptversammlung: 07.07.2011

 

 

MBB Industries AG, ISIN DE000A0ETBQ4

Hoch/Tief 52 W.

Aktienzahl

Börsenwert

8,00/5,50 €

6.600.000

38,8 Mio. €

 

 

Empfehlung: KAUFEN

Kurs 11.04.2011

Potenzial

Risiko

5,88 €

8,00 €

gering