Was lange weilt, wird schneller gut
Liebe Leser,
sicher erinnern Sie sich noch, dass ich in der letzten Ausgabe anlässlich des LinkedIn-IPO vor einer Rückkehr des Internet-Hype in den USA gewarnt habe. Offenbar zu Recht, denn seither ist der Börsenkurs von in der Spitze über 120 US-Dollar bereits auf aktuell 75 Dollar abgerutscht. Satte 40% Verlust in vier Wochen: eine schmerzhafte Strafe für allzu euphorische Anleger.
Auch bei anderen fantasieträchtigen Internet-Aktien mussten die Zocker bluten. So stürzte die Aktie des Internetradios Pandora von 26 Dollar kurz nach dem Start noch im Laufe des ersten Handelstages am 15.6. auf 17,42 Dollar ab und fiel nachbörslich weiter. Nicht wirklich verwunderlich angesichts eines Börsenwertes von 2,6 Milliarden Dollar für eine Firma, die im letzten Jahr erst 138 Millionen Dollar Umsatz machte und tiefrote Zahlen schreibt.
Wenn Sie den Nervenkitzel suchen, gehen Sie lieber ins Kasino
Zugegeben, spannend sind die Storys vieler Internetaktien allemal. Bis die Käufer der ersten Stunde bei LinkedIn, Pandora & Co. die erhofften Gewinne sehen, wird es aber wohl noch lange dauern. Wer gute Nerven und Spaß an unberechenbaren Kursentwicklungen hat, kann sich auf diese Zockerei einlassen. Und wer weiß, vielleicht kommt am Ende ja sogar ein Plus heraus.
Ich bevorzuge jedoch „langweilige“ Aktien von Firmen, die auf den ersten Blick wenig Fantasie aufweisen. Denn wenn ich den Nervenkitzel bräuchte, würde ich Roulette spielen oder auf Pferde wetten – an der Börse will ich aber Geld verdienen. Gleichzeitig möchte ich auch in turbulenten Börsenphasen ruhig schlafen können. Und natürlich soll mein Depot in guten wie in schlechten Zeiten den Markt outperformen.
Dies erreicht man allerdings erwiesenermaßen eher durch unentdeckte Mauerblümchen als durch spektakuläre Hype-Investments. Da ich mir sicher bin, dass auch Sie mit dieser Strategie am besten fahren, stellen wir Ihnen diesmal zwei auf den ersten Blick unscheinbar wirkende Werte vor: einen stetig wachsenden IT-Dienstleister und einen traditionsreichen Besteck- und Kaffeemaschinenhersteller.
Selbst im „best case“ warten Sie bei Hype-Aktien 10 Jahre auf Gewinne
Beide haben aber längst geschafft, was LinkedIn und Pandora erst noch beweisen müssen: Sie verdienen Geld, zahlen schöne Dividenden – und wachsen parallel trotzdem weiter. Selbst in der Wirtschaftskrise schrieben Bechtle und WMF durchgängig schwarze Zahlen. Angesichts einstelliger KGVs stehen die Chancen hier für Sie daher sehr viel besser, nicht erst in ungewisser ferner Zukunft ordentliche Gewinne einzufahren, sondern schon binnen der nächsten Wochen und Monate.
Übrigens: Trotz des weltweiten Siegeszuges von Amazon.com hat die Aktie ihr im Hype markiertes Hoch von Ende 1999 erst volle zehn Jahre später wieder erreicht. Behalten Sie dies bitte im Hinterkopf, wenn Sie sich von Internetaktien schnelle Gewinne erwarten. Zudem ist Amazon mit einem KGV von 80 auch weiter riskant. Dagegen weisen „Langweiler“ wie Bechtle und WMF, aber z.B. auch Rosenbauer und GESCO, nahe ihren Allzeithochs immer noch nur ein KGV unter 10 auf!
Viel Erfolg an der Börse
Ihr
Matthias Schrade