IVU Traffic Technologies AG: Zweifacher Hebel für spekulative Anleger
Neben weiteren Wachstumschancen ist eine höhere Bewertung der Aktie mittelfristig gut möglich
Analyst: Thorsten Renner
Bereits seit 35 Jahren kümmert sich die IVU Traffic Technologies AG um einen pünktlichen und zuverlässigen Verkehr in den Großstädten rund um den Erdball. Doch das Verkehrsproblem in den Millionenstädten gewinnt zunehmend an Bedeutung, da speziell in den schnell wachsenden Städten der Schwellenländer auch die Motorisierung sprunghaft ansteigt. Entsprechend nehmen die Herausforderungen zur Steuerung des Verkehrs ständig zu, was den Einsatz intelligenter und sicherer Softwaresysteme erfordert.
Zugleich steigt die Zahl der Millionenstädte, weltweit sind es inzwischen schon über 300. Viele Menschen zieht es in die Städte, um dort Arbeit zu finden. Allerdings haben sie häufig innerhalb der Stadt weite Wege zur Arbeit zurückzulegen. Hier setzt die IVU Traffic Technologies AG aus Berlin an. Sie entwickelt maßgeschneiderte IT-Lösungen für den öffentlichen Personen- und Güterverkehr sowie die Transportlogistik. Darüber hinaus bietet das Unternehmen auch Lösungen zur Durchführung und Auswertung von Wahlen sowie eine zielgruppengenaue Ansprache über Geomarketing.
Spezialisiert auf Lösungen für den ÖPNV
Derzeit sind die Produkte von IVU bei über 500 Kunden weltweit im Einsatz. Im Laufe ihrer Unternehmensgeschichte blicken die Berliner auf Höhen und Tiefen zurück. Mit dem Börsengang im Jahr 2000 kamen die Probleme, denn anschließend erfolgten einige Fehlinvestitionen, was IVU in eine schwere Krise stürzte. Das jetzige Management hat die Gesellschaft saniert, die nun wieder frei von Schulden agieren kann. Neben dem Sitz in Berlin hat IVU noch Niederlassungen in Aachen, Birmingham, Bogota, Dubai, Rom und Veenendaal in den Niederlanden.
Das wichtigste Produkt der Berliner ist IVU.suite und wird im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) für viele Aufgaben eingesetzt – von der Planung und Disposition über Ticketing, Fahrgastinformation und Abrechnung von Verkehrsverträgen. Mit IVU.waste bietet man zudem der Entsorgungsbranche eine Lösung, die den Einsatz von Fahrzeugen und Personal optimiert und somit Kosteneinsparungen ermöglicht. Beiden Bereichen ist gemeinsam, dass sie sich mit dem Thema Logistik befassen.
Einen gänzlich anderen Einsatzort findet die Lösung IVU.elect. Hiermit unterstützt das Unternehmen den Anwender bei der Vorbereitung, Organisation, Durchführung und Auswertung von Wahlen. Im Bereich Geomarketing ermöglicht die Gesellschaft mit IVU.locate eine zielgruppengenaue Kundenansprache, um ein möglichst hohes Käufervolumen zu generieren. Darüber hinaus bietet IVU Unternehmen auch individuelle und maßgeschneiderte Lösungen an.
IVU gewinnt weitere Großaufträge
Im laufenden Jahr konnten die Berliner bereits mehrere Neuaufträge vermelden. So setzt die Portugiesische Staatsbahn bei ihrer Einsatzplanung von Bahnen und Personal künftig auf die Lösung IVU.rail. Bis Ende 2011 soll zusammen mit dem portugiesischen Partner Meticube die Softwarelösung installiert werden. Dabei geht es um die Steuerung von 375 Fahrzeugen und 1.500 Mitarbeitern auf einem Streckennetz von über 2.800 Kilometern. Mit diesem Auftrag konnte IVU die Position auf der iberischen Halbinsel weiter festigen.
Auch das französische Schienengüterverkehrsunternehmen Europorte hat sich für den Einsatz von IVU.rail entschieden. Zukünftig sollen mehr als 100 Fahrten pro Woche über das neue System geplant und gesteuert werden, um die Pünktlichkeit und Flexibilität des Frachtverkehrs zu erhöhen.
2010 bestätigt den Wachstumstrend
Im abgelaufenen Geschäftsjahr hat IVU den Wachstumspfad fortgesetzt und den Umsatz um 5 Prozent auf 39,1 Mio. Euro gesteigert. Dabei spielten die ausländischen Märkte eine große Rolle. Hier gelang es dem Unternehmen, die Marktposition deutlich zu festigen. Erfolge verzeichnete IVU vor allem im südamerikanischen und im pazifisch-asiatischen Raum. Entsprechend stieg der Umsatz im Ausland von 12,1 auf 17,6 Mio. Euro. Der Anteil der Umsätze, die im Ausland erzielt wurden, erhöhte sich damit bereits auf 45 Prozent.
Allerdings lief auch im Ausland noch nicht alles wie geplant. Ein Großauftrag aus Chile hat sich zeitlich enorm verzögert, nachdem der dortige Verkehrsminister innerhalb von 10 Monaten zweimal wechselte. Derzeit ist der weitere Fortgang bei diesem Auftrag nicht abzusehen, weshalb sich IVU dazu entschieden hat, den Auftrag aus den Prognosen herauszunehmen. Insgesamt spielte der öffentliche Personennahverkehr auch im Geschäftsjahr 2010 die dominante Rolle, allein 86 Prozent der Umsätze entfielen auf dieses Segment.
Starker Ergebnishebel durch zusätzliche Umsätze
Obwohl IVU auch im vergangenen Jahr wieder einige zusätzliche Mitarbeiter eingestellt hat, stieg der Personalaufwand lediglich um 3 Prozent auf 18,8 Mio. Euro. Die sonstigen betrieblichen Aufwendungen erhöhten sich um 11 Prozent auf 7,1 Mio. Euro, was hauptsächlich auf höhere Reisekosten durch das verstärkte Auslandsengagement zurückzuführen war.
Neben den Risiken, wie beim Geschäft in Chile erkennbar, bietet der Auslandsmarkt angesichts der höheren Margen auch enorme Chancen. So konnte IVU durch die Umsatzzuwächse im Ausland das EBIT um 29 Prozent auf 2,7 Mio. Euro steigern. In Verbindung mit niedrigeren Finanzaufwendungen verbesserte sich das Ergebnis vor Steuern um 33 Prozent auf 2,5 Mio. Euro. Bei einem nur geringen Steueraufwand verblieb ein Jahresüberschuss von 2,4 Mio. Euro, was einem Ergebnis je Aktie von 0,13 Euro entsprach.
Durch den Gewinn des Jahres 2010 erhöhte sich das Eigenkapital auf 23,6 Mio. Euro, wodurch sich die Eigenkapitalquote um knapp 4 Prozentpunkte auf 58,0 Prozent verbessert hat. Die Bilanz ist damit solide. Zum Jahresende lag der Auftragsbestand auf Basis unterschriebener Verträge bei 29,1 Mio. Euro. Damit war schon ein Großteil des geplanten Umsatzes für 2011 abgedeckt.
Positiver Trend setzt sich zum Jahresauftakt fort
In den ersten drei Monaten des laufenden Geschäftsjahres legten die Umsätze erneut um 5 Prozent auf 7,8 Mio. Euro zu. Auch das Rohergebnis stieg um 10 Prozent auf 6,8 Mio. Euro. Beim EBIT gelang im ersten Quartal der Turnaround. Nach einem leichten Minus von 34 TEUR im Vorjahr konnte diesmal ein kleiner Überschuss von 47 TEUR ausgewiesen werden.
Nach Steuern gelang dies IVU noch nicht ganz. Hier blieb mit 4 TEUR noch ein minimaler Verlust. Insgesamt macht sich bei den Ergebnissen das interne Qualitätsmanagement positiv bemerkbar, wodurch die Projekte immer effizienter abgewickelt werden können. Der Vorstand zeigte sich mit dem Jahresauftakt durchaus zufrieden, zumal das Vorjahresquartal ebenfalls gut ausgefallen war.
Trotz allem war das erste Quartal erneut vom saisonalen Geschäftsverlauf bei IVU geprägt. Die bereits erwähnten Neuaufträge belegen jedoch die These des Vorstandsvorsitzenden Müller-Elschner, wonach die IVU-Lösungen international immer bekannter werden und dabei eine große Wertschätzung erfahren. Entsprechend sind mit 37,1 Mio. Euro Auftragsbestand zum 30.4. schon gut 90 Prozent des geplanten Jahresumsatzes abgedeckt.
Günstige Bewertung und positive Aussichten
In den letzten Jahren konnte IVU die eigenen Produkte weltweit etablieren, was zu einem stetigen Wachstum geführt hat. Besonders in den ständig wachsenden Millionenstädten bieten sich künftig noch enorme Möglichkeiten, denn angesichts der steigenden PKW-Zulassungen in den Schwellenländern muss auch hier stärker auf öffentliche Verkehrsmittel gesetzt werden, um dem Verkehrskollaps zu entgehen.
Wachsen will IVU besonders in Südamerika und der Region Asien-Pazifik, da hier höhere Margen als auf dem Heimatmarkt erwirtschaftet werden können. Nach dem positiven Jahresauftakt gehen wir davon aus, dass IVU 2011 die Umsatzmarke von 40 Mio. Euro übertrifft und das Ergebnis leicht auf 2,5 Mio. Euro bzw. 0,14 Euro je Aktie verbessern kann. Somit weist IVU aktuell ein KGV von lediglich 9 auf. Da der Gewinn auch im kommenden Jahr steigen dürfte, bietet die Aktie auf dem jetzigen Niveau eine günstige Einstiegsgelegenheit.
Wird IVU durch die Börse entdeckt, ergibt sich zusätzlich Potenzial. Denn bei der mit zuletzt 81 Mio. Euro Umsatz etwa doppelt so großen init AG, die den bei IVU noch zu erwartenden Renditeschub schon hinter sich hat, beträgt das 2011er KGV derzeit etwa 17. Für spekulative Anleger winkt hier also ein zweifacher Hebel: steigende Gewinne und die Chance auf eine mittelfristig höhere Bewertung.
Kennzahlen
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|
2009 |
2010 |
2011e |
|
Umsatz |
37,3 Mio. € |
39,1 Mio. € |
41 Mio. €* |
|
Nettoergebnis |
1,8 Mio. € |
2,4 Mio. € |
2,5 Mio. €* |
|
Erg./Aktie |
0,10 € |
0,13 € |
0,14 €* |
|
KGV |
12,6 |
9,7 |
9,0* |
|
Dividende |
0,00 € |
0,00 € |
0,00 €* |
|
Div.rendite |
0,0% |
0,0% |
0,0%* |
*Quelle: Schätzung GSC Research
Nächste Hauptversammlung: Mai 2012
IVU Traffic Technologies AG, ISIN DE0007448508
|
Hoch/Tief 52 W. |
Aktienzahl |
Börsenwert |
|
1,89/1,16 € |
17.719.160 |
22,3 Mio. € |
Empfehlung: KAUFEN
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Kurs 11.07.2011 |
Potenzial |
Risiko |
|
1,26 € |
1,80 € |
mittel |