ISRA VISION AG: Wachstumswert mit aktuellem KGV von 8,4
Der Spezialist für Oberflächeninspektions-Systeme ist in immer mehr Branchen präsent
Analyst: Thorsten Renner
Die ISRA VISION AG kann mittlerweile schon auf eine mehr als 25-jährige Unternehmensgeschichte zurückblicken. Als Keimzelle der Gesellschaft diente die Technische Universität in Darmstadt, an der der heutige Vorstandsvorsitzende und Großaktionär Enis Ersü zusammen mit anderen Spezialisten für Bildverarbeitung und Robotik die ISRA Systemtechnik GmbH gründete. Dabei steht der Name ISRA für „Intelligent Systems Robotics and Automation“.
Ziel war damals, die in der Forschung gewonnenen Erkenntnisse in industrielle und wirtschaftliche Lösungen umzusetzen. Bereits in den ersten Jahren zeigten sich hierbei große Erfolge, so dass in einem Spin-Off im Jahr 1997 die Gründung der ISRA VISION Systems GmbH erfolgte. Im Zuge der Börseneuphorie um die Jahrtausendwende wagte das Hightech-Unternehmen nach der Umwandlung in eine AG ebenfalls den Sprung an die Börse. Seit dieser Zeit erzielte die Gesellschaft, abgesehen von wenigen Ausnahmen, Jahr für Jahr deutliche Umsatz- und Ergebniszuwächse.
Breites Kunden- und Produktspektrum
Die ISRA VISION AG verfügt über ein äußerst breites Produktspektrum. Bei den Produkten geht es hauptsächlich um anwendungsspezifische Software, die es ermöglicht, das menschliche Sehen in die Automation zu übertragen. Nachdem der Einsatz zunächst nur in klassischen Branchen wie Automotive erfolgte, werden nach und nach neue Einsatzfelder erschlossen. Mittlerweile gibt es kaum noch Branchen, in denen das Darmstädter Unternehmen nicht präsent ist. Das Einsatzspektrum reicht von Automobil, Glas, Papier und Maschinenbau über die Bereiche Kunststoff, Metall und Solar bis hin zum Lebensmittelsektor. Mit der Ausweitung der Branchen ist auch eine starke Internationalisierung einhergegangen. An über 20 Standorten rund um den Globus ist ISRA in strategisch wichtigen Märkten vertreten, auch um eine hohe Kundennähe zu erreichen.
ISRA zählt zu den weltweit führenden Unternehmen im Bereich Machine Vision. Durch hohe Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen gelingt es der Gesellschaft, ständig Innovationen und neue Applikationen auf den Markt zu bringen. In einigen Bereichen erfolgt das Wachstum auch über Akquisitionen. Mit der Akquisition von Graphikon hat das Unternehmen beispielsweise die Positionierung im Bereich der Solarenergie deutlich verbessert. Große Wachstumschancen werden auch in der Region Asien gesehen, weshalb hier die Expansion weiter vorangetrieben wurde.
Deutliche Ergebnisverbesserung in 2009/10
Der Weltmarktführer für Oberflächeninspektionssysteme steigerte den Umsatz im abgelaufenen Geschäftsjahr 2009/10 (bis 30.9.) um 12 Prozent auf 64,8 Mio. Euro. Da sich die aktivierten Eigenleistungen nur leicht um 3 Prozent erhöhten, stieg die Gesamtleistung um 10 Prozent auf 72,7 Mio. Euro. Bei den Umsatzkosten verzeichnete die Gesellschaft nur einen unterproportionalen Zuwachs um 8 Prozent auf 30,2 Mio. Euro, so dass der Rohertrag auf 42,6 Mio. Euro zulegte. Damit verbesserte sich die Rohertragsmarge marginal auf 59 Prozent.
Nach wie vor große Bedeutung kommt dem Bereich Forschung und Entwicklung zu. Im vergangenen Jahr stiegen die Ausgaben noch einmal um 8 Prozent auf 11,0 Mio. Euro. Die neu entwickelten Systeme schaffen die Voraussetzungen für zukünftiges Wachstum, wobei Leistungserweiterung und eine Kostenreduktion der Systeme im Vordergrund stehen. Trotz des Wachstums konnten die Verwaltungskosten auf einem niedrigen Level gehalten werden. Mit 3,8 Mio. Euro lagen sie gerade einmal 2 Prozent über dem Vorjahresniveau.
Entsprechend verbesserte sich das operative Ergebnis (EBITDA) um 16 Prozent auf 17,7 Mio. Euro. Noch besser stellte sich die Entwicklung beim EBIT dar. Dieses kam um 24 Prozent auf 11,5 Mio. Euro voran. Da sich auch das Finanzergebnis durch niedrigere Zinsen leicht verbesserte, erzielte ISRA beim Ergebnis vor Steuern einen Anstieg von 28 Prozent auf 10,6 Mio. Euro.
Durch den Wegfall eines positiven Steuereffekts im Vorjahr zeigte sich unter dem Strich beim Jahresüberschuss „nur“ ein Anstieg von 6,5 auf 7,0 Mio. Euro. Das Ergebnis je Aktie legte entsprechend von 1,52 auf 1,62 Euro zu. Aus diesem Gewinn schüttete ISRA eine Dividende von 0,20 Euro an die Aktionäre aus.
Zusätzliches Potenzial durch 3D Machine Vision
Dabei entwickelten sich die beiden Segmente des Konzerns unterschiedlich gut. Im Bereich Surface Vision verzeichnete ISRA einen Anstieg der Gesamtleistung von 12 Prozent auf 59,2 Mio. Euro, während das EBIT um 21 Prozent auf 9,6 Mio. Euro zulegte. Im Bereich Industrial Automation erhöhte sich die Gesamtleistung vor allem aufgrund eines sehr starken Schlussquartals um 5 Prozent auf 13,6 Mio. Euro. Dagegen sprang das EBIT um 40 Prozent auf 1,9 Mio. Euro.
Zunehmend an Bedeutung gewinnt der Bereich 3D-Machine-Vision-Anwendungen in der Automobilindustrie. Im Rahmen der fortschreitenden Automatisierung in der Fertigung zur weiteren Kostensenkung bleibt die Qualitätskontrolle aber ein wichtiger Bestandteil. So konnte ISRA mit einem Premium-Automobilhersteller aus Süddeutschland eine langfristige Rahmenvereinbarung zur Lieferung von Systemen im zweistelligen Millionenbereich abschließen. Mit dieser Vereinbarung verfügt ISRA nun auch über eine starke Referenz zur Gewinnung von Folgeaufträgen.
Wachstumstrend setzt sich weiter fort
Im laufenden Geschäftsjahr 2010/11 (bis 30.9.) konnte ISRA nahtlos an die guten Zahlen des vergangenen Jahres anknüpfen. In den ersten neun Monaten stieg der Umsatz um weitere 19 Prozent auf 51,7 Mio. Euro. Bei leicht gesunkenen aktivierten Eigenleistungen von 5,8 Mio. Euro erreichte die Gesamtleistung 57,4 Mio. Euro. Die Kosten der Produktion erhöhten sich erneut unterdurchschnittlich um 14 Prozent auf 23,1 Mio. Euro, wodurch sich der Rohertrag auf 34,3 Mio. Euro verbesserte. Damit kletterte die Rohertragsmarge weiter und erreicht nun schon stolze 60 Prozent.
Die Entwicklungsoffensive hat ISRA auch im laufenden Jahr fortgesetzt. Die Forschungs- und Entwicklungskosten stiegen noch einmal kräftig um 17 Prozent auf 8,5 Mio. Euro. Während die Verwaltungskosten sogar um 3 Prozent sanken, schlug sich die eingeleitete Vertriebsoffensive auf der Kostenseite nieder. Hier legten die Aufwendungen für Vertrieb und Marketing um 15 Prozent auf 8,9 Mio. Euro zu.
Das EBITDA kam um 20 Prozent auf 14,8 Mio. Euro voran und auch das EBIT erhöhte sich um 22 Prozent auf 9,6 Mio. Euro. Dadurch verbesserte sich die EBIT-Marge um einen Prozentpunkt auf 17 Prozent. Bei einem unveränderten Finanzergebnis von minus 0,6 Mio. Euro wuchs der Konzernüberschuss um 24 Prozent auf 6,1 Mio. Euro. Entsprechend verbesserte sich das Ergebnis je Aktie von 1,14 auf 1,41 Euro.
Die Bilanz von ISRA ist weiter solide: Durch den Überschuss erhöhte sich das Eigenkapital auf 94,6 Mio. Euro, was einer Eigenkapitalquote von 56 Prozent entspricht. Erklärtes Unternehmensziel ist es, die Eigenkapitalquote langfristig über 50 Prozent zu halten.
Aussichten bleiben vielversprechend
Die Aussichten für ISRA bleiben auch in den kommenden Jahren vielversprechend, da der Markt für Machine Vision weiter wächst. Davon sollte die Gesellschaft als einer der bedeutenden Marktplayer überdurchschnittlich profitieren. Außerdem ist das Unternehmen durch die breite Branchenaufstellung relativ gut gegen Schwankungen der Wirtschaftsentwicklung geschützt.
Darüber hinaus bestehen auch noch gute Chancen in der Marktdurchdringung, in einigen Bereichen steht der Einsatz von Oberflächeninspektions-Systemen erst am Anfang. Wachstumschancen sieht ISRA allgemein in der Erhöhung des Marktanteils in den bereits bestehenden sowie der Erschließung neuer Regionen und Branchen.
Nach dem bisherigen Geschäftsverlauf rechnen wir im Gesamtjahr 2010/11 mit einem Umsatz von annähernd 72 Mio. Euro, da ISRA mit einem Auftragsbestand von über 40 Mio. Euro gut gerüstet in die letzten drei Monate geht. Unter Beibehaltung des höheren Margenniveaus erwarten wir für das EBIT einen Anstieg von 11,5 auf 13,2 Mio. Euro. Der Jahresüberschuss sollte dadurch von 7,0 auf 8,5 Mio. Euro bzw. 1,96 Euro je Aktie zulegen.
Damit liegt das aktuelle KGV der Hightech-Schmiede gerade einmal bei 8,4. Da wir nach der Vertriebsoffensive auch für das kommende Jahr von einem zweistelligen Wachstum ausgehen, ist die ISRA-Aktie auf dem jetzigen Niveau ein klarer Kauf.
Kennzahlen
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2008/09 |
2009/10 |
2010/11e |
|
Umsatz |
58,2 Mio. € |
64,8 Mio. € |
72 Mio. €* |
|
Nettoergebnis |
6,5 Mio. € |
7,0 Mio. € |
8,5 Mio. €* |
|
Erg./Aktie |
1,52 € |
1,62 € |
1,96 €* |
|
KGV |
10,9 |
10,2 |
8,4* |
|
Dividende |
0,15 € |
0,20 € |
0,25 €* |
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Div.rendite |
0,9% |
1,2% |
1,5%* |
*Quelle: Schätzung GSC Research
Nächste Hauptversammlung: März 2012
ISRA VISION AG, ISIN DE0005488100
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Hoch/Tief 52 W. |
Aktienzahl |
Börsenwert |
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20,35/14,40 € |
4.381.240 |
72,3 Mio. € |
Empfehlung: KAUFEN
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Kurs 12.09.2011 |
Potenzial |
Risiko |
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16,50 € |
22,00 € |
gering/mittel |