Kaufen Sie keine Ramschpapiere!
Liebe Leser,
ein Wort löste in den letzten Tagen neue Panikwellen an den Kapitalmärkten aus: „Ramsch“ – dazu wurden griechische Staatsanleihen von verschiedenen Ratingagenturen erklärt. Jedenfalls drückte es die (Boulevard-)Presse so aus, fachlich korrekt lautet das Neusprech für die Einstufung ja „teilweiser Zahlungsausfall“.
Kaum war dieser Schock verdaut, folgte der nächste: Auch die Kreditwürdigkeit von Portugal und Irland wurde nun auf Ramsch-Status herabgestuft, und bei italienischen Anleihen droht dasselbe zu passieren. Die Begründung ist überall praktisch identisch: immer weiter ausufernde Staatsschulden, ohne dass sich eine wirkliche Lösung abzeichnet.
Steht der Euro vor dem Aus? – Na und wenn schon!
Mancher Volkswirt beschwört nun bereits das drohende Ende der europäischen Gemeinschaftswährung und eine dadurch ausgelöste Wirtschaftskrise herauf. Andere halten dem entgegen, dass ein Euro-Aus gar nicht so schlimm wäre. Denn einige Statistiken wie die Exportquote inner- und außerhalb der Eurozone, das unterdurchschnittliche Wirtschaftswachstum oder die Entwicklung der Einkommen deuten darauf hin, dass speziell Deutschland gar nicht sooo sehr vom Euro profitiert, wie dies unsere Spitzenpolitiker gerne behaupten.
Insbesondere ein Ausscheiden diverser schwacher Länder aus der Eurozone – ein wahrscheinlicheres Szenario als das komplette Aus – wäre somit mittelfristig wohl eher Segen als Fluch. Denn, mal ehrlich: Dass eine ganze Reihe von Ländern die wohlbegründeten Maastricht-Kriterien nicht erfüllte, wussten wir alle von Anfang an. Und auch die logische Folge, nämlich die Gefahr eines (verbotenen!) Staatenfinanzausgleichs, wie er derzeit faktisch praktiziert wird, zur krampfhaften Bewahrung einer heterogenen Währungszone hätte jedem klar sein müssen.
Jetzt über „Ramsch“-Noten der Ratingagenturen zu jammern, hilft nicht, das Problem zu lösen. Auch ein erzwungenes radikales Sparprogramm zur Sanierung der griechischen Staatsfinanzen nutzt letztlich niemandem – weder den Griechen, deren Wirtschaft ohnehin schon am Boden ist, noch den Gläubigern, deren Rückzahlungs-Chancen dadurch nicht besser werden. Der entscheidende Fehler war von Anfang an, wackelige Länder mit in den Euro aufzunehmen. Nur durch eine Bereinigung des „Euro-Portfolios“ wird sich die Misere dauerhaft lösen lassen.
Was die hohe Politik nicht beachtet, ist für uns selbstverständlich
Das selbe Prinzip befolgen auch für wir als Nebenwerte-Investoren: Wenn man erkennt, dass ein Unternehmen sich schlecht entwickelt, darf man nicht die Augen vor den Verlusten verschließen. Vielmehr ziehen Sie die Reißleine und begrenzen den Schaden, statt schlechten Firmen noch gutes Geld hinterherzuwerfen. Ich hoffe, dass Sie diese goldene Regel im Gegensatz zu unseren Politikern konsequent befolgen.
Auch bei der Depotauswahl gilt, was für den Euro hätte gelten sollen: Kaufen Sie nie Schrott-Aktien in der Hoffnung auf Besserung, sondern setzen Sie von vornherein stets auf solide Papiere. Eine gute Auswahl finden Sie auch in dieser Ausgabe wieder.
Viel Erfolg an der Börse
Ihr
Matthias Schrade