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Unterschätzen Sie nie einen „Schwarzen Schwan“!

 

Liebe Leser,


seit Tagen schaut die ganze Welt gebannt nach Japan. Täglich sehen wir neue schockierende Bilder und hören schlimme Nachrichten von der dreifachen Katastrophe. Die verheerenden Folgen von Erdbeben, Tsunami und nuklearen Notfällen in den japanischen Atomkraftwerken erschüttern uns alle.

 

Bei den aktuellen Berichten über Japan irritieren mich jedoch vor allem zwei Dinge. Erstens, dass Medien und Politiker kaum über die zahllosen betroffenen Menschen sprechen und schreiben, dafür aber umso mehr über die hiesigen Atomkraftwerke. Ein Schelm, der angesichts von drei anstehenden Landtagswahlen etwas Böses dabei denkt. Und zweitens, wie viele Leute völlig überrascht davon wurden, dass „so etwas“ wie in Fukushima tatsächlich passieren kann.

 

 

Die Macht höchst unwahrscheinlicher Ereignisse

Falls auch Sie zu diesen Menschen gehören, empfehle ich Ihnen das Buch „Der Schwarze Schwan“ – absolute Pflicht-Lektüre für jeden Börsianer! Darin beschreibt Nassim Nicholas Taleb sehr anschaulich, wie sehr unsere Überzeugungen durch eigene, subjektive Erfahrungen verzerrt werden. Und auch, wie diese durch ein einziges höchst unwahrscheinliches Ereignis auf einen Schlag hinweggefegt werden können.

 

So wie das Beispiel, das dem Buch seinen Titel gab: Jahrhundertelang war jedermann davon überzeugt, dass alle Schwäne weiß sind – bis man in Australien auf schwarze Schwäne stieß. Während uns dies nur zum Schmunzeln bringt, können ähnlich feste falsche Überzeugungen in der Finanz- und Wirtschaftswelt sehr viel weitergehende Konsequenzen haben. Der einfachste Fall: „Diese Firma ist so groß und solide, die KANN gar nicht pleite gehen.“ Manchmal passiert genau das aber eben trotzdem.

 

Welchen Einfluss unsere subjektive Wahrnehmung auf die Einschätzung der Zukunft hat, zeigt am besten Talebs „Truthahn-Phänomen“: Ein Truthahn, der Tag für Tag gefüttert wird, wird immer fester davon überzeugt, dass die Menschen lieb und nett und nur dazu da sind, sein Leben zu verschönern. Diese Überzeugung ist nach 1.000 Tagen ununterbrochener Fütterung am stärksten – dann, wenn der Schlachter zuschlägt.

 

 

Lernen Sie aus Fukushima!

Dieses aus Sicht des Truthahns nicht vorhersehbare Ereignis hat für ihn ähnlich verheerende Folgen wie für uns Menschen der Fehler, nicht mit Erdbeben der Stärke 9,0 zu rechnen. Wenn Sie das genannte Buch lesen, verstehen Sie, warum ein solcher schwarzer Schwan jederzeit auftreten kann. Die Katastrophe von Fukushima führt uns überdeutlich vor Augen, dass wir die Risiken daraus nie unterschätzen sollten.

 

Zu akzeptieren, welch enorme Bedeutung schwarze Schwäne haben, ist zugleich der halbe (Börsen-)Erfolg. Denn dann werden Sie nie nur eine Aktie im Depot halten, dafür aber auf „graue Schwäne“ setzen. Etwa, dass biolitec mit einem potenziellen Blockbuster Erfolg hat. Oder dass MOBOTIX zum Weltmarktführer wird. Wahrscheinlicher als ein zweites Fukushima ist das jedenfalls allemal.

 

Viel Erfolg an der Börse

 

Ihr

Matthias Schrade